Bioaktive Substanzen

Gemüse ist mehr als ein Nahrungsmittel. Unsere Textsammlung informiert über die wichtigen sekundären Pflanzenstoffe und deren Wirkung. Die Texte wurden von Prof. H. C. Scharpf, Hannover, zusammengestellt.

Bohnen und Erbsen

Bohnen und Erbsen senken den Cholesterinspiegel

Hülsenfrüchte sind in der Lage, den Cholesterinspiegel abzusenken. Dies leisten die darin enthaltenen unlöslichen Ballaststoffe, Saponine und die Phytinsäure. Weil Phytinsäure auch die Stärkeverdauung verlangsamt, wirken Hülsenfrüchte darüber hinaus blutzuckersenkend. Aus diesen Gründen sind Bohnen und Erbsen sehr geeignete Nahrungsmittel für Diabetiker.

So Regina Naumann in “Bioaktive Substanzen: Die Gesundmacher in unserer Nahrung“ (rororo- Sachbuch)

Sie fährt fort: „Bohnen ,Erbsen und Linsen bieten ein ganzes Arsenal an Krebsbekämpfern: Ballaststoffe, Saponine, Enzymstopper und Phytinsäure. All diese bioaktiven Stoffe haben sich in vielen Untersuchungen, Labortests und epidemiologischen Studien als wirkungsvoll erwiesen, wenn es darum geht, die Zelle vor schädlichen Kanzerogenen zu schützen und Krebsförderer unschädlich zu machen.“

Saponine - bioaktive Substanzen in Erbsen, Bohnen und Spinat

Saponine sind bitter schmeckende Inhaltsstoffe von Pflanzen. Ihr Name kommt daher, dass sie in Wasser stark Schaum bildend sind und sich sowohl mit Fett als auch mit Eiweiß verbinden können. Sie setzen die Oberflächenspannung von Wasser herab und wurden daher früher als Waschmittel benutzt.

Saponine in Nahrungsmitteln sind von der Ernährungswissenschaft bisher als sog. antinutritive Stoffe bezeichnet und als gesundheitsschädlich eingestuft worden.

Und nun die Neubewertung: Watzl und Leitzmann zählen in ihrem Buch „Bioaktive Substanzen in Lebensmitteln“ (Hippokrates Verlag, Stuttgart 1996 ) als gesundheitsfördernde Wirkungen auf:

  • antikanzerogen
  • antimikrobiell
  • cholesterinsenkend
  • immunmodulierend
  • entzündungshemmend

Hülsenfrüchte und Spinat sind besonders reich an diesen sekundären Pflanzenstoffen, aber Saponine kommen auch in vielen anderen Gemüsearten vor.

Brokkoli

Brokkoli - reich an Vitaminen, Mineralstoffen - und noch viel mehr!

Wenn es um die erst in den letzten Jahren erkannten besonderen gesundheitlichen Wirkungen von Gemüse geht, wird Brokkoli oft ganz vorne genannt.

Der typische Geschmack von Brokkoli weist darauf hin, dass neben den Nährstoffen bestimmte Aroma- und Geschmacksstoffe vorhanden sind, die bei der chemischen Analyse der für die Ernährung wesentlichen Inhaltsstoffe unberücksichtigt bleiben. Eine Vielzahl von weiteren Substanzen ( z. B. Isothiocyanate, Indole, Flavonoide), die nicht zu den Nährstoffen zählen, stellen ein breites Spektrum bedeutender Inhaltsstoffe von Brokkoli dar.

Sulforhaphan in Brokkoli als Krebshemmstoff gefunden

Nachdem man nachweisen konnte, dass durch Gemüseverzehr - insbesondere durch Cruciferen -das Krebsrisiko vermindert wird, hat die Suche nach den Mechanismen für diese Schutzwirkung begonnen.

Offenbar werden durch Gemüse Enzyme aktiviert, die Schadstoffe abbauen. Wissenschaftler der Johns Hopkins University School of Medicine, Baltimore, USA, fanden in Brokkoli das Sulforhaphan (CH3-SO-(CH2)4-NCS) als einen Stoff, der besonders stark Karzinogene abbauen kann. Sie glauben daher, dass die Induktion von Entgiftungsenzymen durch Sulforhaphan eine wesentliche Ursache für die antikanzerogene Wirkung von Brokkoli ist (Quelle: Proc. Natl. Acad. Sci USA Vol. 89 1992, Medical Sciences ).

Kohl und Brokkoli reduzieren Blasenkrebsrisiko

Männer, die große Mengen Kohl und Brokkoli essen, halbieren ihr Blasenkrebsrisiko. Das ist das Ergebnis einer Studie der Harvard-Universität in Boston mit 48.000 Männern. Verantwortlich für die vor Krebs schützende Wirkung ist vermutlich das Antioxidans Sulphoraphan. Dies zitiert die Hannoversche Allgemeine Zeitung in ihrer Ausgabe vom 01.06.1999 aus „Ärztliche Praxis“.

Kohl

Kohl und Brokkoli reduzieren Blasenkrebsrisiko

Männer, die große Mengen Kohl und Brokkoli essen, halbieren ihr Blasenkrebsrisiko. Das ist das Ergebnis einer Studie der Harvard-Universität in Boston mit 48.000 Männern. Verantwortlich für die vor Krebs schützende Wirkung ist vermutlich das Antioxidans Sulphoraphan. Dies zitiert die Hannoversche Allgemeine Zeitung in ihrer Ausgabe vom 01.06.1999 aus „Ärztliche Praxis“.

Meerrettich

Meerrettich und Kresse als Antibiotikum

„Meerrettich und in noch stärkerem Maße Gartenkresse enthalten Benzylsenföl, einen starken Mikrobenbekämpfer. Schon mit 10 bis 20 Gramm Meerrettich werden in den ableitenden Harnwegen therapeutisch wirksame Senfölkonzentrationen erreicht. Auch Virusinfektionen wie Grippe können durch Senföle in Meerrettich und Gartenkresse unterdrückt werden“.

(Aus „Bioaktive Substanzen: Die Gesundmacher in unserer Nahrung“ von Regina Naumann rororo - Sachbuch 1997)

Rettich hemmt die Krebsentstehung

„Rettich enthält jede Menge Anti-Krebs-Mittel: Glucosinolate wie Senföle und Indole, Phenolsäuren  und Flavonoide. Diese bioaktiven Substanzen kurbeln die Bildung und Aktivität von Entgiftungsenzymen an und verhindern, dass aus anfänglich ungefährlichen Stoffen gefährliche Kanzerogene werden (zum Beispiel aus Nitrit das krebserregende Nitrosamin).“

Dies schreibt in ihrer etwas saloppen Art die Lebensmittelchemikerin und Pharmazeutin Regina Naumann in „Bioaktive Substanzen: Die Gesundmacher in unserer Nahrung“ rororo Sachbuch 1997.

Möhren

Möhren sind nicht durch Carotinpillen zu ersetzen

Das Provitamin Beta- Carotin, der gelbe Farbstoff in Karotten und grünen Gemüsen wie Spinat, Feldsalat oder Grünkohl, wird vom Körper in Vitamin A umgewandelt. Dieses benötigt der Organismus unter anderem zur Herstellung des Sehfarbstoffs. Durch epidemiologische Studien ist inzwischen bekannt, dass der Verzehr beta-carotinreicher Nahrung einen gewissen Schutz vor Lungenkrebs bietet. Die Frage, ob dieser Schutz auch durch die Einnahme von synthetischem Beta-Carotin erreichbar ist, war Gegenstand zweier großer Studien unter Rauchern in Finnland und den USA. Die Studien mussten vorzeitig abgebrochen werden, da bei der Gruppe mit Beta-Carotin-Präparaten 16 beziehungsweise 28 Prozent mehr Lungentumoren gefunden wurden. Dies wird in „Einblick“, der Zeitschrift des Deutschen Krebsforschungszentrums, Heft 1/1997, berichtet.

Sellerie

Sellerie mit Butylphthalid gegen Bluthochdruck und Tumore

Ob Sellerie ein Aphrodisiakum ist, sei dahingestellt. Seit jedoch in den in Sellerie enthaltenen ätherischen Ölen eine Substanz mit dem unaussprechlichen Namen Butylphthalid gefunden wurde, wird seine gesundheitliche Wirkung  in zwei Bereichen ernster genommen:

Butylphthalid hat sich in Tierversuchen als blutdrucksenkend erwiesen.

Darüber hinaus fördert dieser sekundäre Pflanzenstoff ein Entgiftungsenzym, das krebserregende Stoffe wie zum Beispiel Benzpyren unschädlich macht.

Eine ähnliche Wirkung wird ebenfalls den im ätherischen Öl von Sellerie enthaltenen Limonen zugeschrieben. So konnte durch Beimischung von Sellerieöl zum Futter die Magenkrebsrate von Versuchstieren deutlich gesenkt werden.

Dies berichtet Regina Naumann in: “Bioaktive Substanzen: Die Gesundmacher in unserer Nahrung“ (rororo- Verlag 1997)

Spinat

Spinat - nicht nur wegen des Gehaltes an Eisen!

Als dunkelgrünes Blattgemüse steht Spinat nach Angaben von Jean Carper in ihrem Buch „Nahrung ist die beste Medizin“ (Econ Verlag 23. Auflage 1998) zusammen mit Möhren ganz oben auf der Liste der Nahrungsmittel, die Krebs vorbeugen.

Die Wirkung wird vor allem den Carotinoiden zugeschrieben. Die Autorin zitiert eine neuere amerikanische Untersuchung, nach der roher Spinat noch mehr Carotinoide enthält als Möhren.Dabei geht es nicht nur um das B-Carotin, die Vorstufe von Vitamin A, sondern um eine Vielzahl weiterer Carotinformen.

Außer den Carotinoiden wird auch dem in Spinat reichlich vorhandenen Chlorophyll eine hemmende Wirkung gegen Krebs und Herz-Kreislaufkrankheiten zugeschrieben. In Laborversuchen verminderte Chlorophyll sowohl die Zellentartung als auch die Bildung von Nitrosaminen, einem der stärksten Karcinogene.In Tierversuchen konnte darüber hinaus nachgewiesen werden, dass Chlorophyll den Blutcholesteringehalt senkt.

Spinat - also nicht nur wegen seines Gehaltes an Eisen

Saponine - bioaktive Substanzen in Erbsen, Bohnen und Spinat

Saponine sind bitter schmeckende Inhaltsstoffe von Pflanzen. Ihr Name kommt daher, daß sie in Wasser stark schaumbildend sind und sich sowohl mit Fett als auch mit Eiweiß verbinden können. Sie setzen die Oberflächenspannung von Wasser herab und wurden daher früher als Waschmittel benutzt.

Saponine in Nahrungsmitteln sind von der Ernährungswissenschaft bisher als sog. antinutritive Stoffe bezeichnet und als gesundheitsschädlich eingestuft worden.

Und nun die Neubewertung: Watzl und Leitzmann zählen in ihre Buch „Bioaktive Substanzen in Lebensmitteln“ (Hippokrates Verlag, Stuttgart 1996 ) als gesundheitsfördernde Wirkungen auf:

  • antikanzerogen
  • antimikrobiell
  • cholesterinsenkend
  • immunmodulierend
  • entzündungshemmend

Hülsenfrüchte und Spinat sind besonders reich an diesen sekundären Pflanzenstoffen, aber Saponine kommen auch in vielen anderen Gemüsearten vor.

Tomaten

Tomaten senken auch das Herzinfarktrisiko

Seit längerem gibt es Berichte darüber, dass ein hoher Verzehr von Tomaten oder aus Tomaten hergestellten Produkten das Krebsrisiko insbesondere der Prostata verringert. Die positive Wirkung wird vorrangig dem in Tomaten reichlich enthaltenen Lycopin zugeschrieben.

Weniger bekannt ist bisher, dass eine hohe Lycopinaufnahme (infolge eines hohen Verzehrs an Tomatenprodukten) auch das Herzinfarktrisiko vermindert. Nach einem Bericht des American Journal of Epidemiology (10,97) nimmt das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, bei Männern mit einer hohen Aufnahme an Lycopin um 50% ab gegenüber der Gruppe mit der niedrigsten Lycopinaufnahme. Lycopin kommt in beachtenswerten Konzentrationen außer in Tomaten auch in Hagebutten, Aprikosen, roter Grapefruit, verschiedenen tropischen Früchten u.a. vor.

(aus www.helthyideas.com, 26.12.1999)

Tomaten beugen Prostatabeschwerden vor

Das Risiko für Männer, Prostatabeschwerden zu bekommen, kann offenbar durch einen erhöhten Verzehr von Tomaten halbiert werden. Dabei ist es gleichgültig, ob die Tomaten roh oder gekocht, als Saft, Salat oder Suppe verzehrt werden. Dies berichtet „Psychologie Heute“ in ihrer Ausgabe vom September 1997. Sie bezieht sich dabei auf eine sechsjährige Studie der Harvard University ( USA ) mit fast 50.000 Männern. Die Wirkung wird von den Wissenschaftlern damit erklärt, dass Tomaten besonders viel Lycopen enthalten, eine bioaktive Substanz mit hohem antioxidativem Potenzial. Unter „erhöhtem Verzehr“ werden in der Studie 10 Portionen pro Woche verstanden.

Tomaten - geballte Gesundkost

Tomaten sind mit ihrer hohen Ausstattung an bioaktiven Substanzen vielfältig für die Gesundheit wirksam. Im Vordergrund steht ihr Gehalt an Carotinoiden, Flavonoiden, Phenolsäuren, Terpenen und Vitaminen.

Regina Naumann zählt in ihrem Buch „Bioaktive Substanzen: Die Gesundmacher in unserer Nahrung“ ( Rowohlt 1997 ) vier Bereiche auf, die von Tomaten positiv beeinflusst werden:

Krebsprophylaxe, Schutz vor Arterienverkalkung, Schutz der Augen und Stärkung des Immunsystems.

Unter den Carotinoiden der Tomate wird ganz besonders das Lykopin hervorgehoben. Sie schreibt: “Ein hoher Lykopin - Gehalt des Blutes hat sich in verschiedenen Studien als ein Schutz vor Tumoren erwiesen, vor allem Lungen-, Bauchspeicheldrüsen -, Gallenblasen- und Mastdarmkrebs. Lykopin scheint vorkrebsartigen Veränderungen an der Gebärmutterschleimhaut vorzubeugen. Die Wirkung des Lykopin wird unterstützt durch die antikanzerogenen Eigenschaften der Flavonoide, der Phenolsäuren und der Terpene.“

Nach einer Studie der Harvard Universität (USA) reduziert ein hoher Verzehr von Tomaten wegen ihres Lykopin - Gehaltes das Risiko für Prostatabeschwerden.

Lykopin beugt darüber hinaus zusammen mit Vitamin C der Ablagerung von Cholesterin in den Arterien vor und es leistet einen wichtigen Beitrag, Schäden durch UV-Strahlen und freie Radikale an den Augen zu mindern.

Die Stärkung des Immunsystems geht vor allem auf die in Tomaten enthaltenen Flavonoide und Carotinoide zurück. Diese bioaktiven Substanzen erhöhen nach Naumann nämlich die Aktivität der Killerzellen, der Fresszellen sowie der B - und T - Lymphozyten, also der für die Krankheitsabwehr wichtigen körpereigenen Immunzellen.

Tomaten - Lycopin und die Gesundheit

In der Zeitschrift „Gesunde Medizin“ Nr. 8/98 wird über verschiedene Untersuchungen berichtet, die die große Bedeutung der Tomate mit ihrem hohen Lycopingehalt  für die Krankheitsvorbeugung belegen. So wurde anhand einer Fallkontrollstudie in Italien festgestellt, dass der Verzehr von Tomaten mit einem um bis zu 60% reduzierten Risiko für Krebs im Magen-Darm-Trakt einhergeht.

In einer groß angelegten europäischen Studie mit fast 1400 Patienten konnte nachgewiesen werden, dass mit hohen Lycopinwerten im Fettgewebe das Herzinfarktrisiko um 48 %  gesenkt wird. Bei Frauen zeigte sich , dass das Brustkrebsrisiko um bis zu 50 % vermindert ist, wenn über einen Zeitraum von 10 Jahren ein hoher Lycopinspiegel aufrecht erhalten wird.

In einer Untersuchung mit 48.000 Männern stellte sich heraus, dass das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, durch einen hohen Verzehr von Tomaten und Tomatenprodukten, also einen hohen Lycopingehalt in der Nahrung, signifikant gesenkt wurde. Gute Gründe also, Tomaten vielfältig in den Speiseplan einzubeziehen.

Tomatensaft steigert Immunsystem

Personen, die täglich 0,33 l Tomatensaft mit 40 mg Lykopin, dem  besonders in Tomaten  enthaltenen Carotinoid, tranken,  hatten  schon nach 14 Tagen ein aktiveres Immunsystem. Dies berichtete Dr. B. Watzl von der Bundesforschungsanstalt für Ernährung in Karlsruhe in Focus 40 1998. Im Blut der Testpersonen teilten sich die Lymphozyten vermehrt und es wurde mehr Interleukin 2 produziert. Lymphozyten und Interleukin 2 sind Bestandteile des menschlichen Immunsystems.

Tomaten hemmen die Ausbreitung von Prostatakrebs

Der Verzehr von Tomaten bremst laut einer neuen Studie tatsächlich die SAusbreitung von Prostatakrebs.

Dafür verantwortlich sei das Pigment Lycopin, das den Tomaten ihre rote Farbe gebe, erklärte der Mediziner Omar Kucuk von der Wayne State University in Detroit im US-Bundesstaat Michigan bei einem Krebsforschungskongreß in Philadelphia.

Die Wissenschaftler setzten zwölf Prostatakrebspatienten drei Wochen vor ihrer Operation auf eine Lycopin-Diät. Nach der Operation stellten sie fest, daß sich der Krebs bei zwei Drittel der Testpatienten nicht weiter ausgebreitet hatte. Zudem waren die Tumore bei 84 Prozent der Testpatienten kleiner als vier Kubikzentimeter. Der Unterschied zu einer Kontrollgruppe war deutlich.

Dies schreibt die Zeitschrift „Grenz Echo“ in ihrer Home Page-Ausgabe vom 14. April 1999.

Der Bericht ist einer der bisher seltenen Belege für einen gezielten therapeutischen Einsatz von Gemüse bei Krebspatienten.

Zwiebel

Zwiebel und Äpfel gegen Lungenkrebs wirksam - wahrscheinlich durch Quercetin

Loic Le Marchand und seine Kollegen vom Krebsforschungszentrum der Universität von Hawaii fanden heraus, dass ein hoher Verzehr von Zwiebeln und Äpfeln das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken statistisch gesichert absenkt. Die Forscher vermuten, dass die vorbeugende Wirkung hauptsächlich dem Quercetin zu verdanken ist. Quercetin ist ein sekundärer Pflanzenstoff aus der Gruppe der Flavonoide, der in Zwiebeln und Äpfeln in besonders hoher Konzentration vorkommt.

In der Fall-Kontrollstudie wurden 1164 Personen unter anderem sehr eingehend nach dem Verzehr von Obst und Gemüse befragt und nach den Ergebnissen in 4 Gruppen eingeordnet.

Bei dem Viertel mit dem höchsten Verzehr von Zwiebeln ging das Risiko für Lungenkrebs um 50 % zurück gegenüber der Gruppe, die am wenigsten Zwiebeln aß. Ein hoher Apfelverzehr reduzierte das Risiko um 40 %.

Die Daten waren selbstverständlich um den Einfluss des Rauchens und anderer Risikoursachen korrigiert.

Es wird vermutet, dass Quercetin die Aktivierung bestimmter Karzinogene verhindert oder hemmt.

(Bericht aus: Journal of the National Cancer Institut, 92 Nr. 2 vom 19. Januar 2000)

Zwiebeln, die Breitbandgesundheitshelfer

Bei kaum einer Gemüseart können mehr positive Wirkungen auf die Gesundheit nachgewiesen werden als bei den Zwiebeln mit ihrer Fülle  und hohen Konzentration an bioaktiven Substanzen:

Sulfide verhindern die Bildung von Prostaglandinen und lindern damit entzündliche Prozesse, was z.B. bei Rheuma, Gelenkschmerzen, Bronchitis, Asthma und Insektenstichen hilfreich ist.

Quercetin, Adenosin und Sulfide können die Zusammenballung von Thrombozyten  und damit die Entstehung von Blutgerinnseln verhindern. Eine zwiebelreiche Kost beugt so dem Herzinfarkt vor.

Flavonoide in der Zwiebel sind starke Antioxidationsmittel. Sie verhindern u.a. die Oxidation des LDL- Cholesterins und schützen damit vor Arteriosklerose.

Flavonoide und Sulfide sind starke Krebshemmer. Ein hoher Zwiebelkonsum geht in vielen Untersuchungen mit  einem geringeren Auftreten von Magen-, Darm-, Brust- und Speiseröhrenkrebs einher.

Thiosulfinate und andere Schwefelverbindungen lösen Schleim und erleichtern das Abhusten. Sie tragen somit zur schnelleren Heilung  bei Husten und Erkältungen bei.

(Aus R. Naumann: „Bioaktive Substanzen: Die Gesundmacher in unserer Nahrung“ rororo- Verlag 1997.)

Sonstiges

Gemüse ist mehr als ein Nahrungsmittel

Kann man mit einzelnen Gemüse- oder Obstarten gezielt bestimmten Krankheiten – in diesem Fall dem Blasenkrebs - vorbeugen?  Diese Frage stellte  eine Forschergruppe um Dominique S. Michaud von der Harvard School  of Public Health in Boston, USA.  In der 10 Jahre dauernden Untersuchung wurden knapp 50.000 Männer  mehrfach eingehend über ihre Verzehrsgewohnheiten befragt und auf den Gesundheitszustand  untersucht.

Als Ergebnis wird in einer Veröffentlichung  im „Journal of the National Cancer Institute“ vom April 1999 festgestellt:

Während eine Steigerung der Gesamtmenge an Obst und Gemüse nur eine geringe Abnahme des Blasenkrebsrisikos bewirkte, hatten Gemüse aus der Familie der Kreuzblütler (also vor allem Kohlarten) einen signifikanten Effekt. Das Krebsrisiko  betrug bei der Gruppe mit dem höchsten Verzehr dieser Gemüsearten nur 49 %  im Vergleich zu den Personen, die wenig davon zu sich nahmen.  Unter den einzelnen Arten  zeigten Brokkoli und Kopfkohl die stärkste positive Wirkung.

Ein Grund mehr, den Kohlarten eine Renaissance in den Küchen zu wünschen.

Lutein mindert Risiko für Dickdarmkrebs

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Carotinoiden und dem Auftreten von Dickdarmkrebs?  Diese Frage stellte sich eine Forschergruppe um Martha L. Slattery von der Universität Utah.

Zur Klärung wurden in einer sog. Fall-Kontroll-Studie, d.h. einem Vergleich zwischen Kranken und Gesunden, jeweils ca. 2000 Personen  eingehend nach ihrer  Ernährung befragt.

Als Ergebnis wird im American Journal of Clinical Nutrition , Vol. 71 Nr. 2 vom Februar 2000 festgestellt, dass eine erhöhte Aufnahme des Carotinoids Lutein sowohl bei Männern als auch bei Frauen mit einem reduzierten Risiko für Dickdarmkrebs verbunden war. Die übrigen Nahrungscarotinoide (a-Carotin, b-Carotin, Lycopin, Zeaxanthin und b-Cryptoxanthin) zeigten keinen Zusammenhang mit  dieser Krebsart.

Die wichtigsten Quellen für Lutein waren in dieser Untersuchung Spinat, Brokkoli, Kopfsalat, Tomaten, Orangen , Karotten, Sellerie und „greens“ also grüne Salate.

Mehr Carotin in der Nahrung mindert Herzinfarktrisiko

In der sog. Rotterdamstudie wurden von einem Forscherteam um Kerstin Klipstein-Grobusch  knapp 5000 Teilnehmer im Alter zwischen 55 und 95 Jahren, die bisher keinen Herzinfarkt hatten, nach ihren Ernährungs- und sonstigen Lebensgewohnheiten befragt und untersucht. Die Studie sollte die Frage beantworten, ob die in einem Zeitraum von 4 Jahren auftretenden Herzinfarktfälle einen Zusammenhang mit der Ernährung zeigten.

Die Auswertung der Daten ergab, dass ein höherer b-Karotinanteil in der Nahrung zu einer Risikoverminderung führt. Bei dem Drittel mit der hohen Carotinaufnahme lag das Herzinfarktrisiko um 45 %  unter dem Drittel mit der niedrigen Aufnahme.

Da b-Karotin überwiegend aus gelbem und grünem Gemüse und Obst stammt (die Einbeziehung von Carotin aus Vitaminzugaben verbesserte das Ergebnis nur geringfügig) bestätigt die Untersuchung dass ein hoher Verzehr von Gemüse und Obst nicht nur das Krebsrisiko, sondern auch das Herzinfarktrisiko senkt.

(Quelle: American Journal of Clinical Nutrition , Vol 69, Nr.2, Febr.1999)

Flavoide in Gemüse gegen Herzinfarkt

Nach der  sog. Zutphen Studie mit über 800 älteren Männern nimmt das Risiko, an Herzinfarkt zu sterben oder einen nicht tödlichen Herzinfarkt zu bekommen, stark ab, wenn die Aufnahme von Flavonoiden zunimmt.

Flavonoide sind sekundäre Pflanzenstoffe mit antioxidativer Wirkung. Sie kommen insbesondere in gelben  und roten Gemüsearten und Früchten sowie in Tee vor. Unter den Gemüsearten sind Zwiebeln, Rotkohl, rote Salate, Auberginen, rote Rettiche, Radies, Grünkohl, Brokkoli, grüne Bohnen reich an Flavonoiden, aber  auch die anderen Arten enthalten geringe Mengen davon. Beim Obst stehen Kirschen und rote Weintrauben auf den vorderen Plätzen.

Setzt man das Risiko eines tödlichen Herzinfarktes bei der Gruppe, die mit der Nahrung weniger als etwa 20 mg Flavonoide pro Tag zu sich nahm,  gleich 1, so ging es bei  der Gruppe mit über 30 mg. pro Person und Tag auf  0,32 also nur noch 32 % zurück.  Auch bei den nicht tödlichen Herzinfarkten war mit steigender Flavonoidaufnahme ein Rückgang um 50 % festzustellen.

(aus : Hertog et al.:Dietary antioxidant flavonoid and risk of coronary hert disease: the Zutphen Elderly Study, THE LANCET Vol.342,1993)

Karottenextrakt kann Antibiotika ersetzen

Unter dieser Überschrift berichten die Stuttgarter Nachrichten in ihrer Medizinseite vom 18. Oktober 2000, dass der Nachweis gelungen ist, dass bestimmte Inhaltsstoffe von Möhren, Äpfeln, Heidelbeeren und Preiselbeeren Durchfallbakterien wirksam stoppen können und Durchfall bereits nach zwei Tagen zum Abklingen bringen. Sie sind vielen Antibiotika überlegen und können diese teilweise ersetzen.

In fast 20 jähriger Forschungsarbeit haben der Leiter der Erlanger Universitätskinderklinik, Prof. Dr. Guggenbichler, und der Wiener Pharmakologe Prof. Jurenitsch herausgefunden, dass Oligogalakturonsäuren, die in Möhren und den genannten Obstarten enthalten sind, die krankheitserregenden Darmbakterien daran hindern, an der Darmwand anzudocken und damit die Krankheit auszulösen.

Oligogalakturonsäuren, die chemisch zu den Kohlehydraten gehören, können bereits in Konzentrationen von nur 0,005 % Bakterien vollständig blockieren. Damit die wirksamen Moleküle frei werden, müssen die Möhren allerdings gekocht werden.

Die Wissenschaftler schlagen vor, den Kindernahrungsmitteln Karottenextrakt beizumischen. Darüber hinaus halten sie es für möglich, durch die Beimischung von Möhrenextrakt zu den Futtermitteln auf den Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht zu verzichten.

Herzkreislauferkrankungen bei Frauen durch hohen Gemüse- und Obstverzehr verringert

Simin Liu von der Abteilung für präventive Medizin der Harvard Medical School, Boston, und Kollegen anderer Institute berichten im American Journal of Clinical Nutrition vom Oktober 2000 über den Zusammenhang zwischen Gemüse- und Obstverzehr und dem Auftreten von Herzkreislauferkrankungen.

In der Studie wurden 39.876 gesunde Frauen über ca. 5 Jahre untersucht und nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt.

Als Ergebnis wurde festgestellt, dass ein zunehmender Verzehr an Gemüse und Obst das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und Herzinfarkt senkt. Setzt man das Erkrankungsrisiko bei der Gruppe mit dem niedrigsten Verzehr gleich 100, so ging es  in dieser Studie bei der Gruppe mit dem höchsten Gemüse- und Obstverzehr auf 68% zurück.

Hoher Verzehr von gekochtem Gemüse mindert Risiko für rheumatische Arthritis

Das Risiko, an rheumatischer Arthritis zu erkranken, kann durch einen hohen Verzehr von gekochtem Gemüse stark abgesenkt werden. Dies ist das Ergebnis einer sog. Fall-Kontrollstudie, in der Patienten und eine vergleichbare Gruppe gesunder Personen eingehend nach ihren Verzehrgewohnheiten über mehr als 100 Nahrungsmittel und nach sonstigen Lebensumständen befragt wurden.

Wenn die Häufigkeit des Gemüseverzehrs in vier Gruppen eingeteilt wurde, hatte die Gruppe mit dem höchsten Verzehr nur noch ein Risiko von 39 %, an rheumatischer Arthritis zu erkranken gegenüber der Gruppe mit dem niedrigsten Gemüseverzehr. Da in dieser Untersuchung auch Olivenöl eine ähnlich vorbeugende Wirkung zeigte, war es der Forschergruppe an der Abteilung Epidemiologie der medizinischen Fakultät der Universität Athen wichtig, mit statistischen Analysen nachzuweisen, dass die Wirkung von gekochtem Gemüse gesichert unabhängig von der Wirkung von Olivenöl besteht. Die Autoren hoffen, dass in weiteren Untersuchungen die Mechanismen gefunden werden können, die diesem Untersuchungsergebnis zugrunde liegen.

(Quelle: Athena Linos et.al.: Dietary factors in relation to rheumatoid arthritis: a role for olive oil and cookes vegetables?, American Journal of Clinical Nutrition, Vol. 70, Nr. 6, Dezember 1999).

Karotinreiches Obst und Gemüse mindert Brustkrebsrisiko

In einer  von 1980 bis 1994 dauernden Studie mit über 83.000 Frauen im Alter  zwischen 33 und 60 Jahren wurde der Zusammenhang zwischen der Ernährung, insbesondere mit karotinreichen Nahrungsmitteln, und dem Auftreten von Brustkrebs untersucht.

Als Ergebnis teilt die Forschergruppe um Shumin Zang und Walter C. Willet von der Harvard School of Public Health, Boston USA,  mit:

Frauen, die 5 oder mehr Portionen Obst oder Gemüse pro Tag verzehrten, hatten ein 33 % niedrigeres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken als die, die nur 2 Portionen pro Tag aßen.

Die Risikominderung durch höheren Gemüse- und Obstverzehr war mit  ca. 70 %  sehr viel stärker ausgeprägt bei den Frauen, in deren Familie schon Brustkrebs vorgekommen war. Bei Frauen, die 15 oder mehr g Alkohol pro Tag tranken, ging das Risiko für Brustkrebs um ca. 50 % zurück, wenn sie 5 statt 2 Portionen Obst und Gemüse pro Tag verzehrten.

Die günstige Wirkung des höheren Anteils an Obst und Gemüse in der Nahrung wird von den Forschern vor allem dem Gehalt an a-Carotin, b-Carotin, Lutein, Zeaxanthin und Vitamin C zugeschrieben.

(Quelle: Journal of the National Cancer Institute, Vol. 91, Nr. 6, März 1999)

Gemüse aus der Familie der Kreuzblütler vermindert das Risiko für Prostatakrebs besonders stark

Tomaten sind keineswegs die einzige Gemüseart, die vorbeugend bei Prostatakrebs wirkt und auch nicht die wirksamste. Alle Gemüsearten, besonders jedoch Brokkoli, Blumenkohl, Kohl, Rosenkohl und andere Cruciferen, können das Krebsrisiko deutlich absenken. Männer, die drei oder mehr Gemüseportionen pro Tag verzehren, können das Risiko für diese Krankheit gegenüber solchen, die weniger als einmal pro Tag Gemüse essen, nahezu halbieren. In die Untersuchung im Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle waren 1230 Männer im Alter zwischen 40 und 64 Jahren einbezogen.

Möhren, Bohnen, Salate, Tomaten und andere Gemüsearten verminderten das Risiko zwar auch deutlich, aber der stärkste Effekt wurde von den Forschern mit Gemüse der Kreuzblütlerfamilie festgestellt. Wenn nämlich jeweils innerhalb einer bestimmten Gesamtgemüsemenge der Anteil der Cruciferen erhöht war, nahm das Prostatakrebsrisiko stärker ab als beim Durchschnitt.

Dies berichtet Krista Woodward in den Center News (online publications) am 20.01.2000. Sie bezieht sich auf eine Publikation des Fred Hutschinson Cancer Research Centers im Journal of the National Cancer Institute vom 5. Januar 2000.

Kräuter und Gemüse gegen Osteoporose?

Roman Mühlbauer von der Universität Bern erregte beim 4. Karlsruher Ernährungssymposium am 12.10.1999 große Aufmerksamkeit mit Untersuchungen zur Osteoporosevorbeugung an Tieren.

Die Zufütterung von Gemüse oder Kräutern erhöhte bei jungen Versuchstieren die Knochenmasse und den Mineralgehalt der Knochen und bei älteren Tieren verminderte sich der Knochenabbau.

Als besonders wirksam erwiesen sich Zwiebeln, Lauch, Schalotten, Knoblauch, Schnittlauch, Bärlauch, krause und glatte Petersilie, Dill, Kopfsalat, Tomaten, Gurken und Rotkohl. Die Wirkung dieser Futterzusätze war oft ebenso stark wie die von Hormongaben.

„Wenn sich dies auf den Menschen übertragen läßt, könnte eine angepaßte Ernährung ein wirksames Mittel zur Vorbeugung vor Knochenabbau sein“, folgerte der Referent.

Carotinoide hemmen Wachstum von Leukämiezellen

Retinsäure, ein aus Carotin gebildetes Stoffwechselprodukt, reguliert das normale Wachstum und die Differenzierung von Zellen. Nun hat sich in sog. In-Vitro-Versuchen - also bei Zellkulturen - herausgestellt, daß diese Substanz auch in der Lage ist, das ungehemmte Wachstum von Leukämiezellen zu stoppen.

Prof. Andrew Yen und seine Kollegen vom Cornell University’s College of Veterinary Medicin, die dies herausgefunden haben, wollen nun erforschen, wie die Retinsäure auf die Krebsentwicklung wirkt, welche Moleküle beeinflußt werden und ob die Chemotherapie nicht nur für Patienten mit Leukämie, sondern auch mit anderen Tumoren mit Retinsäure oder ähnlichen aus Carotin abgeleiteten Verbindungen ergänzt werden kann.

Bis dahin, so ihr Rat, sollte zumindest auf eine ausreichende Carotin-Menge in der täglichen Ernährung geachtet werden.

Dies berichtet die Ärzte Zeitung vom 15.04.1998  und wertet es als Plädoyer für mehr Obst und Gemüse in unserer Ernährung.

Sind besondere Carotinoide für die Abnahme des Lungenkrebsrisikos verantwortlich?

Dieser Frage gingen Dominique S. Michaud vom Institut für Ernährung und Epidemiologie der Harvard School of Public Health, Boston, und Kollegen anderer Institute in einer 10 jährigen Studie mit 46.924 Männern und einer 12-jährigen Studie mit 77.283 Frauen nach. Die Carotinaufnahme wurde über den Verzehr von Gemüse und Obst und die darin enthaltenen durchschnittlichen Gehalte berechnet.

Die Auswertung ergab, dass eine erhöhte Aufnahme von a-Carotin und Lycopin mit einer signifikanten Abnahme des Lungenkrebsrisikos einhergeht (die höchste Aufnahmegruppe hatte gegenüber der niedrigsten ein um 32 % verringertes Risiko).

Die anderen untersuchten Carotinoide (b-Carotin, Lutein und b-Cryptoxanthin) zeigten ebenfalls mit steigender Aufnahme eine Risikominderung, aber dieser Zusammenhang war nicht statistisch gesichert.

Die positive Wirkung von a-Carotin war am stärksten bei Nichtrauchern. In dieser Gruppe führte die höchste Aufnahme zur einer Risikominderung um 63%.

(Quelle: American Journal of Clinical Nutrition, Vol.72, Nr. 4, Oktober 2000)

Nicht beirren lassen: Gemüse schützt vor Krebs!

Kaum beginnt sich das Wissen über die positiven Wirkungen eines erhöhten Gemüseverzehrs auf die Gesundheit - insbesondere die Krebsabwehr - auszubreiten,da kommt auch schon einer, der sich damit profilieren will, daß er schreibt: “Obst und Gemüse schützen nicht vor Krebs“ (So U. Pollmer  in „Natur und Kosmos“).

Pollmers wichtigstes Argument entlehnt er Mark Twain: „ Es gibt drei Arten von Lügen:  Lügen, verdammte Lügen und Statistiken“.

169 von 217 Studien kamen nach Poller zum Schluss, daß Obst und Gemüse  vor Tumoren schützen. Dann zerpflückt er einige dieser Studien und findet in der Statistik Schwachpunkte. Den Angaben der Befragten könne man nicht trauen. Es sei nicht definiert, was viel und wenig Gemüse sei. Die Ergebnisse würden sich teilweise widersprechen, mal sei gekochtes wirksamer als rohes, mal sei rohes Gemüse günstiger, in manchen Untersuchungen seien nur 8 Patienten einbezogen usw. usw.

Natürlich sind Fehler zu finden, wenn weltweit 217 Studien zu dieser Frage durchgeführt wurden. Nicht überall in der Welt werden strenge wissenschaftliche Standards eingehalten.

Pollmer läßt aber alle die Studien unbeachtet, die sich mit ungeheurer Akribie und einer kritischen statistischen Analyse des Themas angenommen haben. Er weiß nicht oder er will nicht sehen, daß die seriösen Wissenschaftler mit großen Fallzahlen arbeiten, die Kovarianzen also die Wirkungen anderer Ursachen beachten, die Effekte von Alter, Geschlecht, Alkoholkonsum, Rauchen, ethnischer Zugehörigkeit und anderes „herausrechnen“ und dann immer noch zu Ergebnissen gelangen, welche  die positive Wirkung von Gemüse und Obst statistisch gesichert belegen.

Und Pollmer tut so, als ob es die vielen begleitenden Untersuchungen der Krebsforscher mit Tieren, mit Mikroorganismen, mit dem Immunsystem u.a. nicht gäbe, aus denen die positive Wirkung von Gemüse oder einzelnen Inhaltsstoffen von Gemüse hervorgehen.

Die japanische Regierung hat ein Programm zur Steigerung des Gemüsekonsums gestartet, als ihr die Ergebnisse einer 17 Jahre dauernden - übrigens  wie von Pollmer geforderten prospektiven ( von Gesunden ausgehenden und in  die Zukunft gerichteten )- Studie  mit über 265.000 Personen vorlagen.

Das amerikanische nationale Krebsinstitut und das Gesundheitsministerium fördern seit Jahren eine Kampagne zur Steigerung des Obst- und Gemüseverzehrs. Dies ebenfalls als Folge der überzeugenden Beweise für die positiven Wirkungen bei der Vorbeugung vor Krebs und Herzinfarkt.

Nach Pollmer  sind das alles Idioten, die unseriösen Statistiken aufgesessen sind.

So einfach kann man es sich machen. So leicht kann man mit der entsprechenden Polemik Aufmerksamkeit erregen.

Wenn das Thema nicht so ernst wäre, könnte man ja darüber hinweggehen.

In Deutschland liegen wir aber mit 85 kg Gemüse pro Kopf und Jahr im weltweiten Vergleich sehr niedrig. Weit niedriger als die USA und Japan, die den Konsum gezielt steigern.

Es gibt aufgrund der neuen Erkenntnisse nun auch in Deutschland zaghafte Ansätze, die Bevölkerung zu einer Verhaltensänderung zu bewegen, um die Chancen für eine Gesundheitsvorsorge zu erhöhen.

Zu nennen sind die Aktion „power pur“ des Wirtschaftsministeriums und der Verbraucherzentrale in Rheinland-Pfalz, die Aktivitäten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, der neue Ansatz der Deutschen Krebsgesellschaft, die niedersächsiche Aktion „gesund macht munter“ und andere.

Und dem fällt Pollmer mit seiner Polemik ohne jede Skrupel in den Rücken. Diese Anstrengungen sind ihm zufolge alle unsinnig.

Mit den gleichen Argumenten, die Pollmer benutzt, nämlich die  Statistik sei nicht sicher, hat man 30 Jahre lang versucht, den Nachweis, daß Rauchen das Krebsrisiko erhöht, zu bestreiten. Und heute  zweifelt daran keiner mehr.

Es ist zu hoffen, daß Artikel wie der von Pollmer als billige Effekthascherei erkannt werden und in der Versenkung verschwinden.

Lassen wir uns nicht beirren: Gemüse und Obst schützen vor Krebs!

Lycopin erhöht Rüstigkeit im Alter

In der sog. Nun - Studie wurde bei einer Gruppe von 77 - 98-jährigen Frauen ein enger Zusammenhang zwischen dem „funktionalen Status“, d.h. der Unabhängigkeit von Hilfe bei täglichen Verrichtungen und dem Lycopingehalt im Blutplasma festgestellt.  Je höher der Lycopingehalt war, desto besser war auch der Gesamtstatus  oder die Rüstigkeit.

Lycopin ist ein Carotinoid, das hauptsächlich in Tomaten  und Hagebutten vorkommt.

Quelle: Snowdon: Antioxidants and reduced functional capacity in the elderly: findings from the Nun Study, J. Gerontol. a. Biol. Sci. Med Sci 51 ( 1), 1996.

Gesundheitswirkung auch aus der Vielfalt an Gemüse

Manches weiß man inzwischen über sekundäre Pflanzenstoffe oder bioaktive Substanzen in Gemüse und ihre Gesundheitswirkungen.

So haben die Kohlarten mit ihren Glukosinolaten, die Allium - Gemüse mit den Sulfiden, die grün-gelben Gemüse mit ihren Carotinoiden, die Tomaten mit Lycopin, die roten Gemüsearten mit den Flavonoiden und die Leguminosen mit den Saponinen in den letzten Jahren besondere Wertschätzung für die  Krebsvorsorge und die Vorbeugung vor Herzinfarkt bekommen.

Vieles ist aber noch unbekannt. Daher wäre es falsch, sich einseitig auf  einige Gemüsearten zu konzentrieren.

Franceschi und Mitarbeiter (1995) prüften die Wirkung der Anzahl der konsumierten Gemüsearten -( bei insgesamt gleichem Gesamtgemüseverzehr )- auf das Risiko von Brustkrebserkrankungen.  Setzt man das Risiko bei einem Verzehr von weniger als fünf Gemüsearten  gleich 1 , so reduzierte sich dieses  auf 0,78, wenn regelmäßig mehr als sieben Gemüsearten verzehrt wurden.

Dies berichtete Dr. Watzl von der Bundesforschungsanstalt für Ernährung in Karlsruhe anläßlich der Vorstellung der Kampagne “power pur“ des Rheinland-Pfälzischen Ministeriums für Wirtschaft am 29. 4. 99 in Hayna/Pfalz.

Da man von vielen sekundären Pflanzenstoffen noch keine spezifische Wirkung kennt, ist es nicht nur wichtig, mehr Gemüse insgesamt zu verzehren, sondern auch  die Vielfalt  der Arten  zu nutzen.

Quercetin hemmt Tumorbildung im Darm

Quercetin gehört  zu den Flavonoiden, einer Gruppe von sekundären Pflanzenstoffen mit gesundheitlicher Bedeutung für den Menschen.

Quercetinreiche Lebensmittel sind insbesondere Zwiebeln, Grünkohl, grüne Bohnen, Brokkoli, Äpfel und Kirschen (Quelle: Watzl und Leitzmann 1995 ).

In ihrem Vortrag anläßlich des Kolloquiums“ Bioaktive Substanzen“ am Institut für Gemüse und Zierpflanzen in Großbeeren vom 15. April 1999 berichtete Frau Prof. Dr. med. Dr. sc. nat. Gisela Jacobasch aus ihren Versuchen, bei denen sie Qercetin dem Futter von Versuchstieren beigemischt hat.  Mit dieser Zugabe konnte die Krebshäufigkeit im Darm von 72 auf 8  vermindert werden. Die Gene, die bei den von ihr gewählten Tieren die Entwicklung zu Darmkrebs in Gang setzen können, sind mit denen identisch, die beim Menschen  für diese Erkrankung verantwortlich sind.

Auch wenn bei Quercetin der Satz „viel hilft viel“ nicht gelte, weil es in hohen Konzentrationen toxisch sei, ist nach ihrer Ansicht unsere durchschnittliche Ernährung zu arm an Flavonoiden, also zu arm an Gemüse und Obst.

Frau Prof. Jacobasch ist Leiterin der Abteilung Präventivmedizinische Lebensmittelforschung am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke.

Chlorophyll in Gemüse hemmt Mutationen

Die Beobachtung, daß der erhöhte Verzehr von rohem Gemüse zu einer Verminderung des Risikos für Darmkrebs führt, regte die Wissenschaftlergruppe Lai, Butler und Matney in Houston, Texas, an, zu prüfen, ob an dieser Wirkung auch das Blattgrün beteiligt ist. Als Indikatoren für eine krebsvorbeugende Wirkung wurden Bakterien benutzt, welchen krebserzeugende Stoffe zugesetzt wurden. Zusätzlich erhielten die Testorganismen Extrakte verschiedener Gemüse, die sich im Chlorophyllgehalt unterschieden. Bei diesem Test wird erfaßt, wie schnell und wie stark Erbveränderungen an den Bakterien auftreten. Veränderungen in der Erbsubstanz sind eine Voraussetzung für die Entstehung von Krebs.
Die Ergebnisse zeigen einen engen Zusammenhang zwischen dem Chlorophyllgehalt der Gemüsearten und der Verhinderung von Mutationen bei den Bakterien. Die antimutagene Wirkung war in diesem Versuch am höchsten bei  Brokkoli, Kohl, Spinat, Petersilie, Senfblätter, und Blattsalat.

(Quelle: Antimutagenic activities of common vegetables and their chlorophyll content  in „Mutation Research“ 77(1980) 245-250.)

"Take 5" und "FEEL GOOD" in der Schweiz

Das aus den USA stammende Motto „five a day“  ist von der größten schweizerischen Lebensmitteleinzelhandelskette MIGROS aufgegriffen worden. Hintergrund ist die Erkenntnis, daß  ein erhöhter Verzehr von Obst und Gemüse wegen der darin enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe oder bioaktiven Substanzen  das Risiko für  viele Krankheiten, vor allem Krebs- und Herz-Kreislauferkrankungen, verringert.

Die MIGROS wirbt  mit  „Take 5“ und „5 x täglich Früchte und Gemüse genießen“ in ihrer Aktion „FEEL GOOD“ für einen erhöhten Verzehr  von Obst und Gemüse. Sie übernimmt damit den Ansatz, der vom amerikanischen Nationalen Krebszentrum und dem Gesundheitsministerium ins Leben gerufen wurde, mit der Aufforderung, pro Tag  fünfmal eine Portion Gemüse oder Obst zu sich zu nehmen, um die damit verbundene Gesundheitsvorsorge für sich zu nutzen.

Ist es bei dem mit 85 kg pro Person und Jahr in Deutschland vergleichsweise extrem niedrigen Gemüseverzehr nicht an der Zeit, daß wir  uns von solchen Aktivitäten auch „anstecken“ lassen?

Antioxidantien in Gemüse könnten Krebsrisiko verringern

Im Spezialheft 5 (Krebsmedizin) von „Spektrum der Wissenschaft“ 1996 berichten Wissenschaftler  vom Harvard-Zentrum  für Krebsvorbeugung ( USA ) über den Schutzeffekt von Gemüse vor Krebs. Sie meinen, daß insbesondere  die Antioxidantien in Obst und Gemüse von Bedeutung sind.

Die Forschergruppe Trichopoulos, Li und Hunter  schreibt unter der Überschrift „Vorbeugen durch richtige Ernährung“: „Das ernährungsbedingte Krebsrisiko scheint indes nicht nur von den Bestandteilen der Nahrung abzuhängen, sondern auch davon, was nicht darin enthalten ist.

Ein Mangel an frischem Obst und Gemüse nämlich kann das Entstehen vieler verschiedener Krebsformen wesentlich begünstigen - die Ursache  ist nicht gänzlich verstanden.

Ihr Schutzeffekt mag von bestimmten Bestandteilen herrühren, welche die Wirkung karzinogener Substanzen abblockt, die vom  Organismus selbst gebildet werden. In der Nahrung vorhandene Antioxidantien beispielsweise machen vermutlich freie Radikale unschädlich.“

Freie Radikale (Moleküle mit unvollständiger Elektronenhülle) leiten  im Stoffwechsel oxidierende Kettenreaktionen  ein, die zur Entartung von Zellen führen können.

Karotine und krebshemmende Indole in Gemüse und Obst

Krebspatienten empfiehlt die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr nach einem Bericht  der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom Januar 1997  eine Ernährung, die besonders reich an Gemüse und Obst ist. Pflanzliche Kost sei  für Krebspatienten nicht nur wegen der Vitamine, sondern  auch wegen anderer  „Bioaktivstoffe“ besonders wertvoll.

Patienten, die ein erhöhtes Rückfallrisiko haben, sollen viel Lebensmittel zu sich nehmen, die Karotine und krebshemmende Indole enthalten. Das seien vor allem rote, gelbe und grüne Gemüse - und Obstarten bzw. -sorten, wobei  Kohl besonders hervorgehoben wird.

Unterstützung der Krebstherapie durch Ernährung mit viel Gemüse

Krebspatienten empfiehlt die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr nach einem Bericht  der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom Januar 1997  eine Ernährung, die besonders reich an Gemüse und Obst ist. Pflanzliche Kost sei  für Krebspatienten nicht nur wegen der Vitamine, sondern  auch wegen anderer  „Bioaktivstoffe“ besonders wertvoll.

Patienten, die ein erhöhtes Rückfallrisiko haben, sollen viel Lebensmittel zu sich nehmen, die Karotine und krebshemmende Indole enthalten. Das seien vor allem rote, gelbe und grüne Gemüse - und Obstarten bzw. -sorten, wobei  Kohl besonders hervorgehoben wird.

Glucosinolate als Krebshemmer

Glucosinolate sind die  für  alle Kreuzblütler typischen Verbindungen zwischen Zucker und schwefelhaltigen Substanzen . Früher nannte man sie Senfölglykoside. Sie sind verantwortlich für Geruch und Schärfe in Radies, Rettich, Kresse, Meerrettich, Senf und  allen Kohlarten.

„Seit die antikanzerogene Wirkung der Glucosinolate bekannt wurde, hat in der Wissenschaft ein wahrer Sturm auf Kohl und Senf eingesetzt“, schreibt  Regina Naumann in ihrem  1997 erschienenen Buch „Bioaktive Substanzen: Die Gesundmacher in unserer Nahrung“  ( rororo Sachbuch 60211 )  Sie berichtet unter anderem von einer umfangreichen Studie der School of Medicine der Universität von Utah (USA) , die ergeben hat, daß Menschen mit einem hohen Verzehr von Gemüse aus der Familie der Kreuzblütler ein gegenüber der Normalbevölkerung um 70 % verringertes Risiko haben, an Darmkrebs zu erkranken.  Aber auch alle anderen Versuche zu dieser Frage belegen  nach Aussagen der Autorin, daß Kohlgemüse eine starke „Antikrebswirkung“ hat, und daß ein häufiger Verzehr mit niedrigeren Tumorraten einhergeht.

Antimutagene Effekte von Gemüsepreßsäften

Beim haushaltsüblichen Erhitzen eiweißreicher Nahrungsmittel wie Fleisch und Fisch entsteht eine Reihe sog. heterozyklischer aromatischer Amine  mit mutagener, also erbverändernder Wirkung.  Viele dieser Amine erwiesen sich im Tierversuch  als krebserregend. Weil es auf der anderen Seite überzeugende Belege für die schützende Wirkung des Gemüse- und Obstanteils in der Nahrung gegenüber Magen-, Dickdarm- und anderen Organkrebsarten gibt, untersuchte R. Edenharder vom Hygiene-Institut der Universität Mainz  in einem Labortest mit Bakterien Preßsäfte von Gemüse und Obst auf ihre antimutagene Wirkung. „Antimutagene Aktivitäten fanden wir in 68 bzw. 73 %  der Preßsäfte von 28 Früchten und 34 Gemüsen“, berichtete Edenharder  anläßlich der 29. Vortragstagung der Deutschen Gesellschaft für Qualitätsforschung ( Pflanzliche Nahrungsmittel ) 1994. Unter den Gemüsearten hatten die Rohsäfte von Rote Bete, grünen Bohnen, Blumenkohl, Brokkoli, Kohlrabi, Meerrettich, Schnittlauch, Spinat, Tomaten, Weißkohl, Wirsing  und Zwiebeln eine besonders hohe antimutagene Potenz. Durch das Kochen ging  im Bakterientest  ein Teil dieser erbgutschützenden Eigenschaft von Gemüsesäften verloren. Gut und sehr gut schnitten nach dem Kochen noch Kohlrabi, Meerrettich, Rosenkohl, Schnittlauch, Spinat und Tomaten ab.

Je mehr Gemüse, desto weniger Lungenkrebs
Verringerung des Risikos von Lungenkrebs in Abhänigheit vom Gemüseverzehr
Verringerung des Risikos von Lungenkrebs in Abhänigheit vom Gemüseverzehr

Eine Forschergruppe in Hawai untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Gemüseverzehr und dem Lungenkrebsrisiko. Sie teilte  1200 gesunde bzw. lungenkrebskranke Personen nach ihrem Gemüseverzehr in vier Gruppen ein. Wird das Risiko , an Lungenkrebs zu erkranken, bei der ersten Gruppe mit dem höchsten Gemüseverzehr gleich 1 gesetzt, so steigt bei Männern  in der vierten Gruppe, also der mit dem niedrigsten Gemüseverzehr, das Risiko auf 3,2 .  Bei Frauen  stieg das Risiko in der niedrigsten Gruppe sogar auf das 5,6fache.

Loic Le Marchand, Carl N. Yoshizawa, Laurence N. Kolonel, Jean H. Hankin, Marc T. Goodman :“Vegetable Consumption and Lung Cancer Risk: A Population- Based Case-Control Study in Hawaii“.Journal of the National Cancer Institute , Vol 81, No. 15, August 2, 1989

Quelle:
nach World Cancer Research Fund and America Institute for Cancer Research, 1997)

Antimutagene Wirkung von gekochtem Gemüse größer?

Daß  in Gemüse Stoffe enthalten sind, die Erbveränderungen entgegenwirken, also antimutagen sind, ist inzwischen vielfach bestätigt (Erbveränderungen können zu Krebs führen).

Widersprüchliche Ergebnisse gibt es noch darüber, ob gekochte oder roh verzehrte Gemüse stärker antimutagen wirken.

Eine japanische Studie an Bakterien, die mit mutationsauslösenden Chemikalien behandelt waren, ergab, daß der Zusatz von gekochtem Gemüse die schädigende Wirkung der Mutagene oft  stärker reduzierte als roher Gemüsebrei. Tsutomu Yamaguchi von der Kanazawa Universität erklärt seine Ergebnisse ( in Mutation Research 284 (1992) ) damit, daß die unverdaulichen Polysaccharide ( Faserstoffe oder Ballaststoffe ) in Gemüse durch die Erhitzung so verändert werden, daß sie sich stärker mit den Giftstoffen verbinden und  so deren Aufnahme in die  Zellen verhindern.

Allium - Gemüsearten verringern Magenkrebsrisiko
Verringerung des Risikos von Magenkrebs in Abhänigheit vom Gemüseverzehr
Verringerung des Risikos von Magenkrebs in Abhänigheit vom Gemüseverzehr

Der reichliche Verzehr von Gemüse der Gattung Allium, also  Zwiebeln, Schalotten, Lauchzwiebeln, Knoblauch und Schnittlauch, mindert offenbar das Risiko, an Magenkrebs zu erkranken. Dies ist das Ergebnis einer Studie von Wei-Cheng You und anderen, die 1989 im Journal of the National Cancer Institute veröffentlicht wurde.  Setzt man  das Krebsrisiko  bei dem Bevölkerungsteil, der weniger als  11,6 kg Alliumgemüse pro Person und Jahr verzehrte gleich 1, so verringerte sich  dieses  bei einem Verzehr zwischen 11.6 und 16,5 kg pro Jahr auf 0,6,  zwischen 16,6 und 24 kg  auf  0,5. Die Gruppe  mit dem höchsten Verzehr, also über 24 kg  pro Person und Jahr , hatte nur noch ein Risiko von 0,4, also nur 40 %  von dem, das bei Personen vorhanden ist, die wenig Gemüse der Gattung Allium  zu sich nehmen.

(Quelle: nach World Cancer Research Fund and America Institute for Cancer Research, 1997)

Flavonoide in Gemüse sind "bioaktiv"

Die zur Gruppe der Polyphenole gehörenden Flavonoide sind Pflanzenstoffe mit wichtigen gesundheitlichen Wirkungen: Krebsvorbeugung,  Stärkung des Immunsystems, Entzündungshemmung, antimikrobielle Wirkung, Gerinnungshemmung und partieller Ersatz von Vitamin C werden von Watzl und Leitzmann (in „Bioaktive Substanzen in Lebensmitteln“, Hippokrates Verlag 1995) als Funktionen der Flavonoide genannt.

Flavonoide  sind erkennbar an gelben (Flavonole), roten, blauen und violetten (Anthocyane)  Farben in Pflanzen und ihren Früchten. Sie sind daher  z. B. in Rotkohl, Auberginen, Rote Bete, Radies, roten Rettichen, roten Salaten, Radicchio und Tomaten in hoher Konzentration zu finden. Aber auch andere Gemüsearten wie Kopfsalat und Endivie enthalten Flavonoide.

Wer viel Gemüse ißt, altert langsamer!

Die mit dem Alter zunehmenden Krankheiten - insbesondere Krebs und Herz/Kreislauferkrankungen - treten  bei Menschen, die täglich Gemüse essen, im Vergleich zu denen, die sehr selten Gemüse zu sich nehmen, im Durchschnitt um 10 bis 15 Jahre später auf. Ein regelmäßiger, häufiger  Gemüseverzehr verlangsamt also den Alterungsprozess. Dies ist die Schlußfolgerung eines Vortrags, den Prof. Hirayama anläßlich des Internationalen Gartenbauwissenschaftlichen Kongresses 1994 in Kyoto gehalten hat.  Er stützte sich auf eine 17 Jahre dauernde großangelegte epidemiologische Studie in Japan, in der über 265.000 Personen untersucht und nach ihren Lebens- und Verzehrgewohnheiten befragt wurden.

"Five a day"

Unter dem Motto „five a day“ (emeint ist : fünfmal am Tag soll eine Gemüse- oder Obstportion  gegessen werden) hat das Nationale Amerikanische Krebszentrum zusammen mit dem Gesundheitsministerium eine Kampagne gestartet , um den Verzehr von Gemüse und Obst zu steigern. Ziel dieser Aktion ist es, das Risiko für Krebskrankheiten zu senken. Man nimmt in den USA offensichtlich die neuen Erkenntnisse über die  krankheitsvorbeugenden Wirkungen der in Gemüse und Obst enthaltenen bioaktiven Substanzen  ernst und setzt das Wissen  in Information für die Bevölkerung um. Dies berichtete der Geschäftsführer der VITA GmbH, Hellmut Stöhr, anläßlich eines Vortrags beim Ahlemer Gemüsebautag 1997.

"Essen Sie viel Gemüse und Obst"

Aus diesem einen Satz bestand die Antwort von Prof. Zurhausen auf die Frage: „ Was kann ich wirklich selbst tun, um Krebs vorzubeugen?“ Prof. Dr. Harald Zurhausen  ist Vorsitzender  und wissenschaftliches Mitglied des Stiftungsvorstandes des deutschen Krebsforschungszentrums  Heidelberg. Die Frage  stellte eine Teilnehmerin am Ende einer Veranstaltung des Süddeutschen Rundfunks (Wissenschaftsforum) zum Thema Krebsvorsorge  am 3.12.1997 in Mannheim.

Gemüseextrakte unterdrücken Krebs

In der Zeitschrift „Science & Medicine“ vom Dezember 1997 berichtet  Prof. Carmia Borek unter der Überschrift „Antioxidantien und Krebs“ über Versuche mit Gemüseextrakten bei Versuchstieren und an Krebszellkulturen. Es zeigte sich, daß  Extrakte von Weißkohl, Blumenkohl, Rosenkohl, Brokkoli, Knoblauch (und auch Orangenöl, Seealgen und Rosmarin) die Bildung von Brustkrebs unterdrückten.

Krebsblocker aus Gemüse setzen mehrfach an

Bei der Krebsentstehung werden drei Hauptphasen unterschieden:

Die Initiation führt zu einer Schädigung der Gene in den Zellen, bei der  Promotion wird aus einer Zelle mit geschädigter Erbsubstanz eine Tumorzelle und in der Phase der Progression  wächst der Tumor und es können sich Metastasen bilden.

Bioaktive Substanzen aus Gemüse sind in der Lage, besonders die ersten beiden Phasen  zu hemmen oder zu  blockieren.

So wird die Initiation durch Phenolsäuren (besonders reichlich in Grünkohl, Radies, Weißkohl, aber auch in Bohnen, Paprika und vielen andern Arten), Sulfiden (vor allem in Allium- Gemüsearten),  Indolen ( relativ  hoch konzentriert  in Kreuzblütlern,  also z.B. in allen Kohlarten ),Flavonoiden (in vielen , insbesondere in roten und violetten Gemüsearten und Salaten) und Proteaseinhibitoren (in Hülsenfrüchten) gehemmt oder verhindert.

Die Umwandlung geschädigter Zellen in Krebszellen, also die Promotion, kann von Carotinoiden, Phenolsäuren, Flavonoiden, Terpenen, Phytosterinen, Proteaseinhibitoren, Sulfiden, Lignanen und Indolen  gestoppt werden, also von sekundären Pflanzenstoffen, die in allen Gemüsearten vorkommen.

Aber auch schon die Entstehung von krebsauslösenden Stoffen (Kanzerogenen) aus Vorstufen (Prokanzerogenen) kann durch die in Gemüse enthaltenen Phenolsäuren verhindert werden.

Dies geht aus einer Veröffentlichung von L.W. Wattenberg in Cancer Research 52, 1992 und erweitert und ergänzt aus „Bioaktive Substanzen in Lebensmitteln von B. Watzl und C. Leitzmann (Hippokrates- Verlag 1995) hervor.

Auch "Ballaststoffe" sind Bioaktive Substanzen

Die sog. Ballaststoffe im Gemüse (unverdauliche Gerüststoffe) bestehen hauptsächlich aus Pektin, Zellulose und einigen Hemizellulosen.

In vielen epidemiologischen Untersuchungen ist inzwischen nachgewiesen, daß eine hohe Ballaststoffzufuhr das Risiko für Dickdarmkrebs um  bis zu 40 % senkt. Als Mechanismen beschreibt M. Groeneveld in AID Special 1998 „Gemüse und Obst für eine gesunde Ernährung“, daß die beim Pektinabbau frei werdenden kurzkettigen Fettsäuren eine Schutzwirkung ausüben, Ballaststoffe im Darmtrakt Kanzerogene, also krebserregende Substanzen, binden und deren Ausscheidung beschleunigen, weniger kanzerogen wirkende Gallensäuren entstehen.

Außer zur Risikominderung bei Krebs tragen Ballaststoffe aber auch zur Senkung des Cholesteringehaltes und damit zur Minderung der Gefahr eines Herzinfarktes bei. Sie vermindern einerseits die Aufnahme von Nahrungsfetten und reduzieren die Synthese von Cholesterin, andererseits fördern sie den Abbau von Cholesterin.

Ein „hoher“ Verzehr, der die genannten positiven Wirkungen hat, wird mit 30 g reine Ballaststoffe/Tag angegeben.  Nach dem Ernährungsbericht 1996 wird dieser Wert bei uns im Durchschnitt um 30 bis 40% unterschritten.

Wer diesem Mangel abhelfen will, muß seinen Gemüse-, Obst- und Getreideverzehr erhöhen. In diesen pflanzlichen Nahrungsmitteln sind 2 bis 15% Ballaststoffe enthalten.

Brassica-Stiftung untersucht "chemoprotective Gemüse" - immer wieder Brokkoli

Dr. Paul  Talalay gehört zu den Wissenschaftlern der John Hopkins School of Medicine, Baltimore, USA, die 1992 herausfanden, daß Sulforaphan aus Kohlarten dazu beiträgt, die körpereigene Abwehr gegen Krebs zu stärken.

Neu ist seine Entdeckung, daß Keimpflanzen von Brokkoli eine um 20 bis 50 fach höhere Konzentration an Sulforaphan aufweisen als reife Brokkoliköpfe.

Klinische Studien sollen nun klären, ob sich die in Tierversuchen bestätigte Krebsvorbeugung von Sulforaphan auf Menschen übertragen läßt, ob sich also der tägliche Verzehr kleiner Mengen an Brokkolisprossen genau so positiv auf die Gesundheit auswirkt wie zwei Pfund Brokkoli pro Woche.

Um die sog. chemoprotektiven Wirkungen insbesondere von Kohlarten intensiver untersuchen zu können, gründete Dr. Talalay das Brassica Chemoprotection Labor und die Brassica - Stiftung. Sie wird vom nationalen amerikanischen Krebsinstitut, der Krebsforschungsstiftung von Amerika und dem amerikanischen Institut für Krebsforschung unterstützt.

(Quelle: Cancer Protecting Compound Abundant in Broccoli Sprouts, Sept. 15. 1997, multimedia enhanced Press Release, 24.02.1998)

Sekundäre Pflanzenstoffe aus Gemüse unterdrücken Tumore

Isothiocyanate , Indole, Sulfide, Quercetin und b-Carotin haben sich  in Tierversuchen nach einer Veröffentlichung von Dragsted u.a („Cancer Protective Factors in Fruits and Vegetables“ Pharmacol. Toxicol. 72, 1993) als sehr wirksam bei der Unterdrückung von Tumoren erwiesen.  So wurde die Entstehung von Krebs  an der Speiseröhre um 99 %, an der Lunge  um 47 bis 96 %, der Leber  um 50 bis 75 %, der Haut um 67 % und am Darm  um 75% verringert.

Isothiocyanate und Indole sind Abbauprodukte der besonders in Kohlarten vorkommenden Glucosinolate. Sulfide findet man in allen Alliumgemüsearten (also in Zwiebeln, Porree, Schnittlauch, Knoblauch, Schalotten u. a.). Quercetin ist eines der am häufigsten vorkommenden Flavonoide und Flavonoide  sind in roten, violetten und gelben Obst- und Gemüsearten enthalten.

140 kg Gemüse pro Person und Jahr!

Um mit der Ernährung die körpereigenen Abwehrkräfte fit zu halten empfiehlt Dr. Bernhard Watzl von der Bundesforschungsanstalt für Ernährung in Karlsruhe täglich 100 Gramm rohes Gemüse, 200 Gramm gekochtes Gemüse und 75 Gramm Blattsalat zu essen ( Focus 40/1998 ).  (Watzl ist gemeinsam mit Prof. Leitzmann Autor des Buches „Bioaktive Substanzen in Lebensmitteln“).

Wenn man dieser Empfehlung folgt, kommt man auf  rund 140 kg Gemüse pro Person und Jahr.  Das wären 50 kg mehr als wir in Deutschland zur Zeit verzehren. Mit 88 kg pro Jahr liegen wir im europäischen Vergleich am unteren Rand und nutzen damit  das gesundheitliche Potential von Gemüse, nämlich seine Fähigkeit, Krebs- und anderen Krankheiten vorzubeugen, nicht aus.

Food, Nutrition and the Prevention of Cancer: A Global Perspective!

Unter diesem Titel  veröffentlichte das amerikanischen Institut für Krebsforschung zusammen mit dem World Cancer Research Fund die umfassendste Studie, die je über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Krebs erstellt wurde.

Der 660-Seiten-Report entstand aus der Zusammenarbeit von 15 der führenden Krebsforschern. Das Projekt wurde 1994 gestartet und beinhaltete die Auswertung von 4500 einzelnen Forschungsergebnissen aus der ganzen Welt.

In über 250 epidemiologischen Studien war der Zusammenhang zwischen Gemüseverzehr und Krebsrisiko erforscht worden.

Die Ergebnisse in Kurzform:

Die Ernährung spielt eine überragende Rolle in der Krebsbekämpfung.

Auch wenn man noch nicht alles über die Vorbeugung weiß, weiß man mehr als genug, um die hohen Krebsraten dramatisch zu reduzieren.

Bei den aus der Studie abgeleiteten Empfehlungen steht an Nr. 1:

Wählen Sie überwiegend pflanzliche Kost, reich an Gemüse und Obst.

Und an Nr. 4: Essen Sie 400 bis 800 g bzw. fünf oder mehr Portionen verschiedener Gemüse und Obstarten am Tag.

Andere Empfehlungen betreffen Alkohol, Fleisch, Fett, Nahrungmittelzusätze, Rauchen und körperliche Bewegung auf die hier nicht näher eingegangen wird.

Daß sich mit jeder weiteren Portion Gemüse das Krebsrisiko zusätzlich senken läßt, wird am Beispiel von Magenkrebs deutlich, wo sich das Erkrankungsrisiko um ca. 60%  vermindert, wenn man den täglichen Gemüseverzehr von 100 Gramm auf 350 Gramm erhöht. Ähnliche Ergebnisse wurden für Lungenkrebs errechnet bei einer Erhöhung des Gemüseverzehrs von unter 100 Gramm auf 500 Gramm pro Tag.

Der Bericht kann (z. B. über Internet) bezogen werden vom American Institute for Cancer Research, 1759 R Street NW. Washington, D. C. 20009 (www.aicr.org).

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