Grünberger Erklärung

zur Situation von Forschung und Lehre im Gemüsebau

Die derzeitige Situation von Forschung und Lehre im Gemüsebau an den deutschen Universitäten, Fachhochschulen, Fachschulen sowie Versuchs- und Forschungsanstalten des Bundes und der Länder ist gekennzeichnet durch rapiden Kapazitätsabbau in allen Bereichen und die Zersplitterung der Institutionen und Angebote, verbunden mit mangelnden Möglichkeiten fachlicher Spezialisierung.

Diese Entwicklung beruht auf der Rücknahme öffentlicher Mittel und auf föderalen Entscheidungsstrukturen, bei denen das Interesse der Produzenten und Verbraucher in Deutschland keine Berücksichtigung findet.

Durch diese massiven Einschnitte in die Forschungs- und Ausbildungskapazitäten verliert die deutsche Gemüsebauforschung endgültig ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit. Die Politik und Ministerien selbst verlieren dramatisch an Beratungskapazität für politische Entscheidungen. In gleichem Maße geht die Qualität, Effizienz und Attraktivität der gartenbaulichen Ausbildung auf allen Ebenen verloren. Immer weniger leistungsfähige junge Menschen aus dem In- und Ausland werden sich für diese Bildungsgänge entscheiden.

Die Folgen dieser Entwicklung werden von Öffentlichkeit und Politik aufgrund ihrer Langfristwirkung nicht erkannt. Insbesondere wird nicht realisiert, dass mit dem Verlust der Forschung und Ausbildung in Bund und Ländern auch die Basis für sämtliche Bereiche des öffentlichen Versuchswesens, der Beratung und Berufsbildung zerstört wird. Produzenten und Konsumenten in Deutschland werden im Wesentlichen auf die wissenschaftlichen Entwicklungen angewiesen sein, die multinational tätige privatwirtschaftliche Unternehmen zur Verfügung stellen.

Zur Verhinderung dieser Entwicklung sind folgende Massnahmen unabdingbar:

  • Restrukturierung der Forschungslandschaft mit dem Ziel der Schwerpunktbildung und Vernetzung von Hochschulen, Lehr- und Versuchsanstalten, Bundes-, Landes- und Blaue Liste-Instituten.
  • Organisatorische Verknüpfung von Grundlagenforschung, angewandter Forschung und öffentlicher Beratung unter Beteiligung von Anbaupraxis, Verbraucher und Politik.
  • Koordination anwendungsbezogener Forschung mit Prioritätensetzung unter Beteiligung von Anbaupraxis, Verbraucher und Politik.
  • An der Bedeutung und den Potentialen des Gemüsebaus orientierte, ausreichende Finanzierung. Gemüsebauforschung darf nicht das Stiefkind der Agrarforschung sein!
  • Erhaltung zeitgemäßer Bildungsgänge im Gartenbau, bei welchen die Spezialisierung auf inernationalem Niveau gewährleistet ist.
  • Die dringend erforderliche, grundlegende Reform kann nicht auf den Ebenen einzelner Institutionen oder Bundesländer erfolgen. Vielmehr ist eine über die Ländergrenzen hinweggehende Struktur zu schaffen.


Der Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten wird daher gebeten, gemeinsam mit dem Minister für Bildung und Forschung, den Prozess zu initiieren und koordinieren.

Bundesfachgruppe Gemüsebau im Zentralverband Gartenbau e.V.
Deutsche Gartenbauwissenschaftliche Gesellschaft, Sektion Gemüsebau
Grünberg, 19. und 20. Oktober 2000

 

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